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Lohnabrechnung Schweiz 2026: Die 5 häufigsten Fehler bei Sozialversicherungen

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  • 5 häufigste Fehler: AHV falsch berechnet, BVG-Koordinationsabzug vergessen, UVG-Klassen verwechselt, Familienzulagen nicht beantragt, Quellensteuer-Tarif falsch.
  • Risiko: Nachzahlungen rückwirkend bis zu 5 Jahre plus 5 % Verzugszins pro Jahr.
  • Lösung: Swissdec-zertifizierte Lohnsoftware reduziert Fehlerquellen massiv.

Die Lohnabrechnung gehört zu den sensibelsten Prozessen in jedem Unternehmen. Fehler kosten nicht nur Geld – sie führen zu Nachzahlungen, Bussen und unzufriedenen Mitarbeitenden. Wer einen kompletten Überblick über die Personaladministration sucht, findet ihn in unserer Checkliste zum Mitarbeiter-Onboarding. Gerade bei Schweizer KMU sehen wir als Treuhandpartner immer wieder dieselben Stolpersteine. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die fünf häufigsten Fehler bei Sozialversicherungen und Lohnabrechnungen – und wie Sie sie vermeiden.

Fehler 1: AHV/IV/EO-Beiträge falsch berechnet

Der AHV/IV/EO-Beitrag ist mit 10,6 % des massgebenden Lohns (je 5,3 % Arbeitgeber und Arbeitnehmer) einer der grössten Posten auf der Lohnabrechnung. Hinzu kommen die ALV-Beiträge von je 1,1 % (Arbeitgeber und Arbeitnehmer, bis zur Obergrenze von CHF 148’200 Jahreslohn). Trotzdem schleichen sich hier regelmässig Fehler ein.

Typische Stolpersteine

  • Freibeträge nicht korrekt angewandt: Für Erwerbstätige ab dem Referenzalter gilt 2026 ein Freibetrag von CHF 1’400 pro Monat. Wird dieser vergessen, zahlen beide Seiten zu viel – ausser die Person hat dem Arbeitgeber mitgeteilt, dass sie auf den Freibetrag verzichtet (seit 2024 möglich, etwa um die Rente noch zu verbessern).
  • Naturalleistungen nicht berücksichtigt: Geschäftswagen, Gratismahlzeiten oder Dienstwohnungen erhöhen den AHV-pflichtigen Lohn. Ein Geschäftsfahrzeug mit Privatnutzung wird pauschal mit 0,9 % des Kaufpreises pro Monat (mindestens CHF 150/Monat) angerechnet – und damit steigen die Beiträge.
  • Beiträge auf Spesen: Pauschalspesen über dem von der Steuerverwaltung genehmigten Spesenreglement sind AHV-pflichtig. Viele KMU übersehen das.

Tipp von MRG Treuhand

Lassen Sie Ihr Spesenreglement von der kantonalen Steuerverwaltung genehmigen. So vermeiden Sie böse Überraschungen bei der nächsten AHV-Arbeitgeberkontrolle – und sparen unter Umständen Tausende Franken an Nachzahlungen.

Fehler 2: BVG-Koordinationsabzug vergessen oder falsch angewendet

Die berufliche Vorsorge (BVG) ist für viele KMU-Inhaber ein Buch mit sieben Siegeln. Der Koordinationsabzug beträgt 2026 CHF 26’460 pro Jahr (CHF 2’205 pro Monat), ab 1. Januar 2027 CHF 26’880 (CHF 2’240 pro Monat). Im Obligatorium versichert ist der Lohn über diesem Betrag (koordinierter Lohn), mindestens aber CHF 3’780 (ab 2027: CHF 3’840), sobald die Eintrittsschwelle überschritten ist. Einen vollständigen Überblick über BVG für Arbeitgeber 2026 finden Sie in unserem Detailartikel.

Wo es schiefgeht

  • Teilzeitangestellte: Das BVG schreibt einen fixen Koordinationsabzug vor (2026: CHF 26’460; ab 2027: CHF 26’880) – auch bei Teilzeit. Viele Pensionskassen sehen im Reglement aber einen ans Pensum angepassten Abzug vor. Prüfen Sie Ihr Vorsorgereglement und wenden Sie genau den dort definierten Abzug an – sonst ist der versicherte Lohn falsch.
  • Mehrere Arbeitgeber: Jeder Arbeitgeber prüft die BVG-Pflicht separat. Wer bei mehreren Arbeitgebern zusammen mehr als die Eintrittsschwelle verdient, kann sich freiwillig bei der Auffangeinrichtung oder – sofern deren Reglement dies vorsieht – bei der Pensionskasse eines Arbeitgebers versichern lassen (Art. 46 BVG); jeder Arbeitgeber trägt dann die Hälfte der Beiträge auf dem bei ihm bezogenen Lohn.
  • Eintrittsschwelle: 2026 liegt die BVG-Eintrittsschwelle bei CHF 22’680 Jahreslohn, ab 2027 bei CHF 23’040. Angestellte unter dieser Schwelle sind nicht BVG-obligatorisch versichert – werden aber manchmal fälschlicherweise trotzdem abgerechnet.

Rechenbeispiel

Eine Mitarbeiterin arbeitet 50 % und verdient CHF 42’000 brutto pro Jahr. Gesetzliches BVG-Minimum (2026): CHF 42’000 – CHF 26’460 = CHF 15’540 versicherter Lohn. Sieht das Reglement Ihrer Pensionskasse einen pensumabhängigen Koordinationsabzug vor (50 % = CHF 13’230), beträgt der versicherte Lohn CHF 28’770. Wer den Reglementsabzug nicht korrekt anwendet, versichert über CHF 13’000 zu wenig Lohn. Ab 2027 (Koordinationsabzug CHF 26’880 bzw. pensumabhängig CHF 13’440): versicherter Lohn CHF 15’120 bzw. CHF 28’560.

Fehler 3: UVG-Klassen falsch zugeordnet

Die Unfallversicherung (UVG) unterscheidet zwischen Berufsunfall (BU) und Nichtberufsunfall (NBU). Die Prämien variieren je nach Branche und Risikoklasse erheblich – von unter 1 % bis über 10 % des versicherten Lohns.

Häufige Fehler in der Praxis

  • Falsche Risikoklasse: In welche Klasse bzw. welchen Betriebsteil Mitarbeitende gehören, legt die Police bzw. Prämienverfügung Ihres UVG-Versicherers fest (Art. 92 UVG). Sieht diese etwa einen separaten Bürobetriebsteil vor und deklarieren Sie die Büroangestellten beim Lager, zahlen Sie zu hohe Prämien. Umgekehrt führt eine zu tiefe Zuordnung bei einer Kontrolle zu Prämiennachforderungen.
  • NBU-Pflicht bei Teilzeit übersehen: Mitarbeitende, die weniger als 8 Stunden pro Woche bei einem Arbeitgeber arbeiten, sind nicht über den Arbeitgeber gegen Nichtberufsunfälle versichert. Der Arbeitgeber muss dies korrekt abrechnen und den NBU-Abzug weglassen.
  • Höchstversicherter Verdienst: Der maximal UVG-versicherte Jahreslohn liegt bei CHF 148’200. Lohnanteile darüber sind nicht über das UVG-Obligatorium gedeckt. Eine UVG-Zusatzversicherung ist für Kader und Geschäftsleitung daher dringend empfohlen.

Achtung

Die Suva bzw. Ihr UVG-Versicherer kontrolliert periodisch – oft zusammen mit der AHV-Arbeitgeberkontrolle – die deklarierten Löhne und deren Zuordnung. Eine falsche Zuordnung kann zu Prämiennachforderungen für bis zu 5 Jahre führen – inklusive Verzugszinsen.

Fehler 4: Familienzulagen nicht beantragt

Es klingt banal, aber wir erleben es regelmässig: Mitarbeitende haben Anspruch auf Kinder- oder Ausbildungszulagen, diese werden aber nie beantragt. Die Familienzulagen sind kantonal geregelt und variieren je nach Kanton. Im Kanton Thurgau beträgt die Kinderzulage CHF 215 pro Kind und Monat, die Ausbildungszulage CHF 280 (eidgenössisches Minimum seit 1. Januar 2025: CHF 215 bzw. CHF 268).

Warum das passiert

  • Beim Stellenantritt wird die Familiensituation nicht systematisch erfasst.
  • Ein Kind wird geboren oder beginnt eine Ausbildung – niemand meldet es der Familienausgleichskasse.
  • Bei Eltern, die beide arbeiten, ist unklar, wer den Erstanspruch hat – massgebend ist die Reihenfolge nach Art. 7 FamZG (u. a. elterliche Sorge, Wohnort des Kindes, Arbeitsort im Wohnsitzkanton des Kindes, höheres Einkommen).
  • Selbständige vergessen, dass auch sie Anspruch haben und Beiträge an die FAK leisten müssen.

So machen Sie es richtig

  • Erfassen Sie die Familiensituation systematisch bei jedem Stellenantritt.
  • Richten Sie eine jährliche Erinnerung ein, um Änderungen abzufragen (z. B. Geburt, Ausbildungsbeginn, 16. Geburtstag eines Kindes).
  • Nutzen Sie die elektronische Anmeldung über Ihre Familienausgleichskasse – das spart Zeit und reduziert Fehler.

Fehler 5: Quellensteuer-Tarif falsch angewendet

Ausländische Mitarbeitende ohne Niederlassungsbewilligung C (also mit Ausweis B, L oder F) sind in der Regel quellensteuerpflichtig. Der Arbeitgeber muss die Quellensteuer direkt vom Lohn abziehen und an das kantonale Steueramt abführen. Wichtig: Die Quellensteuer ist kantonal geregelt – die Tarife und Sätze unterscheiden sich je nach Wohnkanton des Mitarbeitenden teilweise erheblich.

Die häufigsten Tariffehler

  • Falscher Tarifcode: Ob Tarif A (alleinstehend), B (verheiratet, Alleinverdiener), C (Doppelverdiener) oder H (alleinerziehend) gilt, hängt von der persönlichen Situation ab. Einen separaten Nebenerwerbstarif gibt es seit 2021 nicht mehr: Bei mehreren Stellen richtet sich der Satz nach dem gesamten Erwerbseinkommen (satzbestimmendes Einkommen). Wird Tarif A statt B angewandt, zahlt der Mitarbeitende unter Umständen Hunderte Franken pro Monat zu viel.
  • Kirchensteuer vergessen: Je nach Kanton und Konfession kommt ein Zuschlag hinzu. Im Kanton Thurgau gibt es Quellensteuertarife mit Kirchensteuer (Code «Y») und ohne (Code «N»). Die Kirchensteuerfüsse liegen 2026 je nach Kirchgemeinde bei rund 9–32 % der einfachen Steuer (Aadorf: 19 %). Erfassen Sie die Konfession deshalb bei jedem Eintritt auf dem Anmeldeformular.
  • Schwankende Löhne – kein Jahresausgleich durch den Arbeitgeber: Der Kanton Thurgau rechnet – wie die meisten Deutschschweizer Kantone – nach dem Monatsmodell ab; einen Jahresausgleich durch den Arbeitgeber gibt es nicht. Massgebend ist der im jeweiligen Monat ausbezahlte Bruttolohn; bei Ein- oder Austritt während des Monats muss der satzbestimmende Lohn auf einen ganzen Monat umgerechnet werden. Eine Korrektur auf Jahresbasis gibt es nur über eine nachträgliche ordentliche Veranlagung (NOV): auf Antrag bis 31. März des Folgejahres, obligatorisch ab einem Bruttoeinkommen von CHF 120’000 pro Jahr.
  • Meldepflicht bei Änderungen: Heiratet ein Mitarbeitender, ändert sich der Tarif; mit der Niederlassungsbewilligung C entfällt die Quellensteuer. Im Kanton Thurgau sind solche Änderungen innert 8 Tagen der Steuerverwaltung zu melden. Für zu wenig abgezogene Quellensteuer haftet der Arbeitgeber (Art. 138 DBG).

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch sind die AHV-Beiträge 2026 in der Schweiz?

Der AHV/IV/EO-Beitrag beträgt 2026 insgesamt 10,6 % des massgebenden Lohns (je 5,3 % Arbeitgeber und Arbeitnehmer). Dazu kommen ALV-Beiträge von je 1,1 % bis zur Obergrenze von CHF 148’200.

Wann muss ich einen Mitarbeitenden bei der Pensionskasse anmelden?

Die obligatorische BVG-Versicherung beginnt mit dem Stellenantritt (Art. 10 BVG), sofern der Jahreslohn die Eintrittsschwelle von CHF 22’680 (2026; ab 2027: CHF 23’040) übersteigt und das Arbeitsverhältnis länger als drei Monate dauert. Melden Sie neue Mitarbeitende umgehend Ihrer Pensionskasse – die genaue Frist steht im Anschlussvertrag. Ob der Koordinationsabzug bei Teilzeit gekürzt wird, regelt das Reglement Ihrer Pensionskasse.

Was passiert, wenn ich Fehler in der Lohnabrechnung zu spät bemerke?

Die AHV-Ausgleichskasse kann Nachzahlungen rückwirkend bis zu 5 Jahre einfordern – inklusive 5 % Verzugszins pro Jahr. Zudem drohen Ordnungsbussen bis CHF 1’000 (im Wiederholungsfall bis CHF 5’000) und bei vorsätzlichen Verstössen ein Strafverfahren.

Tipp: Swissdec-zertifizierte Software nutzen

Eine Swissdec-zertifizierte Lohnsoftware übermittelt Lohndaten automatisch und standardisiert an AHV-Ausgleichskassen, Versicherungen, Steuerämter und das Bundesamt für Statistik. Für korrekt erfasste Stammdaten (z. B. Tarif, Pensum, Eintrittsdatum) bleiben Sie selbst verantwortlich. Die elektronische Lohnmeldung (ELM) reduziert Fehlerquellen massiv und spart Ihnen jährlich Stunden an administrativem Aufwand. Wir empfehlen allen unseren Mandanten, auf eine zertifizierte Lösung umzusteigen.

Was passiert, wenn Sie Fehler nicht korrigieren?

Die Konsequenzen von Fehlern in der Lohnabrechnung sind real und können teuer werden:

  • AHV-Arbeitgeberkontrolle: Alle paar Jahre prüft die Ausgleichskasse Ihre Lohnabrechnungen. Fehler führen zu Nachzahlungen – rückwirkend bis zu 5 Jahre, inklusive 5 % Verzugszins pro Jahr.
  • Quellensteuer: Hat der Arbeitgeber zu wenig abgezogen, verpflichtet ihn das Steueramt zur Nachzahlung – er haftet dafür (Art. 138 DBG). Zwar kann er den Betrag vom Mitarbeitenden zurückfordern; ist dieser aber bereits ausgetreten oder ins Ausland gezogen, bleibt der Arbeitgeber in der Praxis oft auf den Kosten sitzen.
  • BVG-Unterversicherung: Bei einem Invaliditätsfall oder Todesfall kann eine Unterversicherung zu Haftungsansprüchen gegen den Arbeitgeber führen.
  • Bussen: Wer Ordnungs- und Kontrollvorschriften trotz Mahnung verletzt, riskiert Ordnungsbussen der Ausgleichskasse bis CHF 1’000, im Wiederholungsfall innert zwei Jahren bis CHF 5’000 (Art. 91 AHVG). Wer Arbeitnehmerbeiträge vom Lohn abzieht, aber nicht an die Ausgleichskasse weiterleitet, macht sich strafbar (Geldstrafe bis 180 Tagessätze, Art. 87 AHVG).

Fazit: Lohnbuchhaltung ist kein Nebenjob

Die Schweizer Sozialversicherungslandschaft ist komplex – und sie ändert sich jedes Jahr. Neue Beitragssätze, angepasste Grenzbeträge und geänderte Vorschriften machen die Lohnabrechnung zu einer anspruchsvollen Aufgabe, die Fachwissen und Sorgfalt erfordert.

Unser Rat: Investieren Sie in eine professionelle Lohnbuchhaltung – sei es durch eine Swissdec-zertifizierte Software, durch Weiterbildung Ihrer HR-Verantwortlichen oder durch die Zusammenarbeit mit einem Treuhandpartner, der die Schweizer Sozialversicherungen im Detail kennt.

Bei MRG Treuhand in Aadorf unterstützen wir KMU in der ganzen Ostschweiz bei der fehlerfreien Lohnabrechnung – von der Einrichtung bis zur jährlichen Lohndeklaration. Sprechen Sie uns an, bevor die nächste AHV-Kontrolle kommt.


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Treuhand-, Steuer- oder Rechtsberatung. Gesetzliche Werte wie Sozialversicherungs- und MWST-Sätze ändern sich regelmässig; massgebend sind die aktuellen Publikationen von Bund und Kantonen. Für Ihre konkrete Situation beraten wir Sie gerne persönlich.

Roger Gloor
Autor

Roger Gloor

Gründer & Geschäftsführer

IT-Experte mit Erfahrung in Handwerk, Gastronomie und Finanzen. Betreut KMU in der Ostschweiz bei Buchhaltung, Steuern und Digitalisierung. Mitglied bei SwissAccounting.

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