BVG für Arbeitgeber 2026: Kennzahlen, Pflichten und häufige Fehler
In 30 Sekunden
- BVG-Kennzahlen 2026: Eintrittsschwelle CHF 22’680, Koordinationsabzug CHF 26’460, Mindestumwandlungssatz 6,8 %, Mindestzins 1,25 %. Ab 2027: Eintrittsschwelle CHF 23’040, Koordinationsabzug CHF 26’880.
- Häufigste Fehler: Teilzeitangestellte falsch abgerechnet, Koordinationsabzug bei Teilzeit nicht geprüft, Neuanmeldungen vergessen.
- Reform gescheitert: Die BVG-Reform wurde im September 2024 vom Volk abgelehnt – das bestehende System gilt weiterhin.
Die berufliche Vorsorge (BVG) ist für Arbeitgeber eine der komplexesten Sozialversicherungen – und gleichzeitig eine der fehleranfälligsten. Wer Mitarbeitende beschäftigt, muss die aktuellen Kennzahlen kennen, die Pflichten einhalten und typische Stolpersteine vermeiden. BVG-Fehler zählen zu den häufigsten Fehlern bei Lohnabrechnungen und Sozialversicherungen. Wir bei MRG Treuhand erklären, worauf es 2026 ankommt.
Definition: BVG (Berufliche Vorsorge / 2. Säule)
Das Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) regelt die obligatorische Pensionskasse für Arbeitnehmende in der Schweiz. Arbeitgeber müssen Mitarbeitende mit einem Jahreslohn von mehr als CHF 22’680 (Eintrittsschwelle 2026; ab 2027: CHF 23’040) bei einer Vorsorgeeinrichtung versichern. Der Arbeitgeber muss insgesamt mindestens gleich viel an die Pensionskasse bezahlen wie alle seine Mitarbeitenden zusammen (Art. 66 BVG).
Die wichtigsten BVG-Kennzahlen 2026
Die BVG-Grenzbeträge werden regelmässig an die AHV-Renten angepasst. Hier die aktuellen Werte für 2026:
BVG-Kennzahlen 2026 auf einen Blick
| Kennzahl | Betrag / Wert |
|---|---|
| Eintrittsschwelle (Mindestjahreslohn) | CHF 22’680 (ab 2027: CHF 23’040) |
| Koordinationsabzug | CHF 26’460 (ab 2027: CHF 26’880) |
| Oberer Grenzbetrag (max. versicherter Lohn) | CHF 90’720 (ab 2027: CHF 92’160) |
| Maximaler koordinierter Lohn | CHF 64’260 (ab 2027: CHF 65’280) |
| Minimaler koordinierter Lohn | CHF 3’780 (ab 2027: CHF 3’840) |
| Mindestumwandlungssatz | 6,8 % |
| Mindestzinssatz für Altersguthaben | 1,25 % |
Gut zu wissen
Die BVG-Grenzbeträge sind an die maximale AHV-Altersrente gekoppelt. Die Eintrittsschwelle entspricht 3/4, der Koordinationsabzug 7/8 und der obere Grenzbetrag dem Dreifachen der maximalen jährlichen AHV-Altersrente (2026: CHF 30’240 = 12 Monatsrenten à CHF 2’520; die 13. AHV-Altersrente, erstmals im Dezember 2026 ausbezahlt, zählt dabei nicht mit). Wenn die AHV-Renten angepasst werden, ändern sich auch diese Werte: Ab 1. Januar 2027 beträgt die maximale AHV-Altersrente CHF 30’720 (12 × CHF 2’560) – daraus ergeben sich die oben genannten Werte für 2027.
Wer ist BVG-pflichtig?
Im BVG-Obligatorium versichert sind alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bei einem Arbeitgeber einen Jahreslohn von mehr als CHF 22’680 (Eintrittsschwelle 2026; ab 2027: CHF 23’040) erzielen und bereits in der 1. Säule (AHV) versichert sind. Die Versicherungspflicht beginnt am 1. Januar nach dem 17. Geburtstag (zunächst nur für die Risiken Tod und Invalidität) bzw. am 1. Januar nach dem 24. Geburtstag (zusätzlich Alterssparen).
Nicht versichert im Obligatorium sind:
- Arbeitnehmende mit einem Jahreslohn unter CHF 22’680
- Selbständige (können sich freiwillig anschliessen)
- Arbeitnehmende mit befristetem Arbeitsvertrag von höchstens 3 Monaten (Ausnahme: Verlängerung über 3 Monate hinaus)
- Personen, die im Sinne der IV zu mindestens 70 % invalid sind
- Nebenerwerbstätige, die bereits für ihre hauptberufliche Tätigkeit obligatorisch versichert sind oder im Hauptberuf selbständig erwerbend sind
Achtung bei Teilzeit und Mehrfachbeschäftigung
Arbeitet eine Person bei mehreren Arbeitgebern, muss jeder Arbeitgeber separat prüfen, ob der bei ihm erzielte Lohn die Eintrittsschwelle erreicht. Der Lohn wird nicht zusammengerechnet. Eine freiwillige Versicherung ist aber möglich, wenn der Gesamtlohn die Schwelle übersteigt.
Koordinationsabzug richtig anwenden
Der Koordinationsabzug ist der Betrag, der vom Jahreslohn abgezogen wird, um den in der 2. Säule versicherten Lohn (koordinierten Lohn) zu ermitteln. Er dient dazu, Überschneidungen mit der 1. Säule (AHV) zu vermeiden. Im Jahr 2026 beträgt der Koordinationsabzug CHF 26’460 (fix; ab 2027: CHF 26’880).
Rechenbeispiel: Koordinierter Lohn
Jahreslohn brutto: CHF 78’000
- Koordinationsabzug: CHF 26’460
- Koordinierter (versicherter) Lohn: CHF 51’540
- Auf diesen CHF 51’540 werden die Altersgutschriften berechnet
Sonderfall Teilzeit: Anteiliger Koordinationsabzug
Im BVG-Obligatorium wird der Koordinationsabzug nicht automatisch an das Pensum angepasst – er gilt in voller Höhe (CHF 26’460). Das führt bei Teilzeitangestellten dazu, dass nur ein kleiner Teil des Lohns versichert ist.
Rechenbeispiel: Teilzeit 50 %, Jahreslohn CHF 42’000
Obligatorium (voller Abzug)
- Koordinationsabzug: CHF 26’460
- Versicherter Lohn: CHF 15’540
- Nur 37 % des Lohns versichert
Mit anteiligem Abzug (gem. Reglement)
- Koordinationsabzug 50 %: CHF 13’230
- Versicherter Lohn: CHF 28’770
- 68,5 % des Lohns versichert
Wichtig: Viele Pensionskassen bieten in ihrem Reglement einen anteiligen Koordinationsabzug an – dies ist überobligatorisch und für Teilzeitangestellte ein grosser Vorteil. Prüfen Sie, was Ihr Vorsorgereglement vorsieht.
Tipp von MRG Treuhand
Beschäftigen Sie viele Teilzeitkräfte, lohnt sich ein Pensionskassenvergleich. Einige Vorsorgeeinrichtungen bieten anteilige Koordinationsabzüge oder gar keinen Koordinationsabzug an – das verbessert die Vorsorge Ihrer Mitarbeitenden spürbar und macht Sie als Arbeitgeber attraktiver, ohne dass die Kosten unverhältnismässig steigen.
Altersgutschriften: Was in die Pensionskasse fliesst
Die Altersgutschriften sind die jährlichen Sparbeiträge, die dem Altersguthaben eines Versicherten gutgeschrieben werden. Im BVG-Obligatorium richten sich die Gutschriften nach dem Alter und werden in Prozent des koordinierten Lohns berechnet:
| Alter | Altersgutschrift (% des koord. Lohns) |
|---|---|
| 25–34 Jahre | 7 % |
| 35–44 Jahre | 10 % |
| 45–54 Jahre | 15 % |
| 55 Jahre bis Referenzalter (Männer 65; Frauen je nach Jahrgang 64 bis 65) | 18 % |
Die Altersgutschriften sind nicht der ganze Pensionskassenbeitrag: Hinzu kommen Risikobeiträge (Tod und Invalidität), Verwaltungskosten und der Beitrag an den Sicherheitsfonds. Der gesamte Beitrag und seine Aufteilung ergeben sich aus dem Vorsorgeplan. Der Arbeitgeber muss insgesamt mindestens gleich viel an die Pensionskasse bezahlen wie alle seine Mitarbeitenden zusammen (Art. 66 BVG). Viele Arbeitgeber zahlen freiwillig einen höheren Anteil – das ist ein attraktiver Bestandteil des Gesamtlohnpakets und ein Argument bei der Personalgewinnung.
Kostenfalle bei älteren Mitarbeitenden
Die gestaffelten Altersgutschriften bedeuten, dass ein 58-jähriger Mitarbeitender Altersgutschriften von 18 % des koordinierten Lohns auslöst, während es bei einem 28-Jährigen nur 7 % sind. Für Arbeitgeber kann das bei der Personalplanung relevant sein. Viele Pensionskassen bieten im Überobligatorium flachere Beitragsstaffeln an, um die Altersdiskriminierung zu reduzieren.
Die 5 häufigsten BVG-Fehler bei Arbeitgebern
In unserer Treuhandpraxis sehen wir immer wieder dieselben Fehler. Hier die Top 5:
1. Neuanmeldung vergessen oder verspätet
Neue Mitarbeitende sind der Pensionskasse umgehend zu melden (Frist gemäss Anschlussvertrag, oft 30 Tage). Zwar besteht der obligatorische Versicherungsschutz ab Stellenantritt (Art. 10 BVG), doch die Beiträge werden samt Zins nachgefordert – und für überobligatorische Leistungen kann der Arbeitgeber haftbar werden.
2. Eintrittsschwelle bei Teilzeit falsch berechnet
Eine Mitarbeiterin arbeitet 60 % und verdient CHF 36’000 im Jahr. Einige Arbeitgeber rechnen fälschlicherweise den hochgerechneten Vollzeitlohn (CHF 60’000) für die Eintrittsschwelle. Richtig ist: Der tatsächlich erzielte Lohn (CHF 36’000) ist massgebend. Da CHF 36’000 über der Schwelle von CHF 22’680 liegt, ist die Mitarbeiterin BVG-pflichtig.
3. Koordinationsabzug bei Teilzeit nicht geprüft
Der volle Koordinationsabzug von CHF 26’460 kann bei Teilzeitlöhnen dazu führen, dass der versicherte Lohn extrem tief ausfällt. Prüfen Sie, ob Ihr Vorsorgereglement einen anteiligen Abzug vorsieht – und wenn nicht, ob ein Wechsel sinnvoll wäre.
4. Lohnänderungen nicht gemeldet
Beförderungen, Pensumänderungen und Lohnerhöhungen ändern den versicherten Lohn – und damit die BVG-Beiträge. Melden Sie Änderungen zeitnah an die Pensionskasse, um Rückforderungen oder Unterversicherung zu vermeiden.
5. Austritt: Freizügigkeitsleistung nicht korrekt abgewickelt
Tritt ein Mitarbeitender aus, meldet der Arbeitgeber den Austritt der Pensionskasse. Diese überweist die Freizügigkeitsleistung (Austrittsleistung) an die neue Vorsorgeeinrichtung oder auf ein Freizügigkeitskonto; die versicherte Person teilt der Pensionskasse mit, wohin das Guthaben gehen soll. Ohne Mitteilung überweist die Pensionskasse das Guthaben frühestens nach sechs Monaten, spätestens nach zwei Jahren an die Auffangeinrichtung BVG (Art. 4 FZG).
BVG-Reform: Abgelehnt – was jetzt?
Am 22. September 2024 hat das Schweizer Stimmvolk die BVG-Reform (BVG 21) mit 67,1 % Nein-Stimmen deutlich abgelehnt. Die Reform hätte unter anderem den Koordinationsabzug prozentual gestaltet, den Umwandlungssatz auf 6,0 % gesenkt und die Altersgutschriften auf zwei Stufen vereinfacht.
Was bedeutet das für Arbeitgeber?
- Alles bleibt beim Alten: Die bisherigen Regelungen gelten unverändert weiter – fixer Koordinationsabzug, vier Altersgutschriftenstufen, 6,8 % Mindestumwandlungssatz.
- Das Grundproblem bleibt: Der Mindestumwandlungssatz von 6,8 % ist versicherungsmathematisch zu hoch. Das führt weiterhin zu einer Umverteilung von Aktiven zu Rentnern innerhalb der Pensionskassen.
- Handlungsspielraum im Überobligatorium: Pensionskassen können im überobligatorischen Bereich weiterhin eigene Umwandlungssätze und Koordinationsregelungen festlegen – und tun dies bereits. Viele Kassen wenden im Überobligatorium deutlich tiefere Umwandlungssätze an.
- Neue Reformversuche: Sozialministerin Elisabeth Baume-Schneider hat sich am Abstimmungssonntag (22. September 2024) für kleinere Reformschritte ausgesprochen. Wann konkrete Vorschläge kommen, ist derzeit offen.
Unsere Einschätzung
Auch ohne Reform gibt es Handlungsspielraum. Prüfen Sie mit Ihrer Pensionskasse, ob im Überobligatorium bessere Konditionen für Teilzeitangestellte angeboten werden können (z. B. anteiliger Koordinationsabzug oder Verzicht darauf). Und nutzen Sie die Gelegenheit, Ihren Anschlussvertrag grundsätzlich zu überprüfen – ein Pensionskassenvergleich lohnt sich alle paar Jahre.
Checkliste: BVG für Arbeitgeber 2026
Jährlich prüfen
- Aktualisierte BVG-Grenzbeträge in der Lohnsoftware hinterlegen
- Personalbestand auf BVG-Pflicht prüfen (besonders Teilzeitkräfte und Stundenlohn)
- Lohnänderungen, Pensumsänderungen und Ein-/Austritte zeitnah der Pensionskasse melden
- Vorsorgeausweis der Pensionskasse den Mitarbeitenden zustellen
- Freizügigkeitsleistungen bei Austritten korrekt abwickeln
Regelmässig hinterfragen
- Pensionskassenvergleich: Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis noch?
- Vorsorgereglement prüfen: Anteiliger Koordinationsabzug für Teilzeit?
- Arbeitgeberbeitrag: Zahlen Sie nur das Minimum oder mehr (als Benefit)?
- Kaderlösungen: Sind Führungskräfte im Überobligatorium ausreichend versichert?
- Swissdec-zertifizierte Lohnsoftware im Einsatz?
So unterstützt MRG Treuhand Sie beim BVG
Die berufliche Vorsorge ist ein wichtiger Teil der Lohnbuchhaltung – und gleichzeitig der Bereich, in dem die meisten Fehler passieren. Bei MRG Treuhand in Aadorf übernehmen wir für unsere Mandanten die gesamte BVG-Administration:
- An- und Abmeldungen: Wir melden Ihre Mitarbeitenden fristgerecht bei der Pensionskasse an und ab.
- Lohnmutationen: Wir melden Lohnänderungen der Pensionskasse – automatisch über die Swissdec-Schnittstelle (ELM), sofern Ihre Pensionskasse diese unterstützt.
- Pensionskassenvergleich: Wir prüfen Ihren Anschlussvertrag und zeigen Ihnen, wo bessere Konditionen möglich sind.
- Lohnbuchhaltung: Die BVG-Beiträge werden automatisch korrekt berechnet und in der Lohnabrechnung ausgewiesen.
Häufig gestellte Fragen
Ab welchem Lohn ist ein Mitarbeiter BVG-pflichtig?
Die BVG-Eintrittsschwelle liegt 2026 bei einem Jahreslohn von CHF 22’680 (ab 2027: CHF 23’040); BVG-pflichtig ist, wer mehr verdient. Mitarbeitende unter dieser Grenze sind nicht BVG-obligatorisch versichert, können aber – sofern das Reglement der Pensionskasse dies vorsieht – überobligatorisch versichert werden.
Wie hoch ist der BVG-Koordinationsabzug 2026?
Der Koordinationsabzug beträgt 2026 CHF 26’460 pro Jahr (bzw. CHF 2’205 pro Monat; ab 2027: CHF 26’880 bzw. CHF 2’240). Im BVG-Obligatorium gilt er auch bei Teilzeit in voller Höhe; viele Pensionskassen sehen in ihrem Reglement jedoch einen anteiligen (pensumabhängigen) Koordinationsabzug vor.
Wurde die BVG-Reform angenommen?
Nein. Die BVG-Reform (BVG 21) wurde am 22. September 2024 in der Volksabstimmung mit 67,1 % Nein-Stimmen abgelehnt. Die bisherigen Regelungen gelten unverändert weiter.
Weiterführende Ratgeber
BVG-Check für Ihr KMU
Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Überprüfung Ihrer BVG-Situation. Wir analysieren Ihren Anschlussvertrag, prüfen die korrekte Erfassung aller Mitarbeitenden und zeigen Ihnen Optimierungspotenzial – sowohl bei den Kosten als auch bei der Vorsorgequalität für Ihr Team.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Treuhand-, Steuer- oder Rechtsberatung. Gesetzliche Werte wie Sozialversicherungs- und MWST-Sätze ändern sich regelmässig; massgebend sind die aktuellen Publikationen von Bund und Kantonen. Für Ihre konkrete Situation beraten wir Sie gerne persönlich.