Buchhaltung selber machen oder Treuhänder? Der ehrliche Vergleich

7 Min. Lesezeit Roger Gloor

In 30 Sekunden

  • Selber machen: Günstiger auf dem Papier, aber nur sinnvoll bei wenig Belegen, keiner MWST-Pflicht und Grundkenntnissen in Buchhaltung.
  • Treuhänder: Mehr Kosten, aber Zeitersparnis, Fehlervermeidung und Steueroptimierung – rechnet sich ab ca. 50 Belegen pro Monat.
  • Hybridmodell: Sie erfassen die Belege, der Treuhänder macht den Rest – oft das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

«Soll ich die Buchhaltung selber machen oder einen Treuhänder beauftragen?» – diese Frage stellt sich jeder KMU-Inhaber früher oder später. Und die Antwort ist nicht so einfach, wie sie klingt. Denn es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Zeit, Risiko und die Frage, was Ihre Arbeitszeit wirklich wert ist.

Als Treuhänder sind wir bei MRG Treuhand in Aadorf natürlich nicht neutral. Aber wir versuchen, diese Frage ehrlich zu beantworten – denn nicht jedes KMU braucht einen Treuhänder für die gesamte Buchhaltung. Manchmal ist eine Kombination die beste Lösung. Übrigens: Was ein Treuhänder konkret kostet, haben wir in unserem Preisvergleich für Treuhandleistungen transparent aufgeschlüsselt.

Buchhaltung selber machen: Was spricht dafür?

Vorteile der Eigenregie

  • Kosteneinsparung: Die Software kostet CHF 20–80 pro Monat statt CHF 300–800 für einen Treuhänder
  • Überblick: Sie wissen jederzeit genau, wo Ihr Unternehmen finanziell steht
  • Lerneffekt: Sie verstehen Ihre Zahlen besser und können schneller auf Veränderungen reagieren
  • Flexibilität: Sie buchen, wann es Ihnen passt – abends, am Wochenende, zwischendurch

Wann es funktioniert

Die Buchhaltung selber zu machen ist realistisch, wenn:

  • Sie eine Einzelfirma oder kleine GmbH ohne Mitarbeitende führen
  • Sie weniger als 50 Belege pro Monat haben
  • Sie nicht MWST-pflichtig sind (oder nur mit Saldosteuersatz abrechnen)
  • Sie Grundkenntnisse in Buchhaltung mitbringen oder bereit sind, diese zu erlernen
  • Sie bereit sind, 3–5 Stunden pro Monat dafür zu investieren

Die Risiken beim Selbermachen

Die Kehrseite der Medaille – und die sehen wir bei MRG Treuhand regelmässig, wenn ein neuer Mandant mit seiner «selbst gemachten» Buchhaltung zu uns kommt:

Häufige Fehler bei der Eigenbuchhaltung

  • Falsche Kontierung: Geschäftsessen auf «Büromaterial» verbucht, Investitionen direkt als Aufwand gebucht – die Erfolgsrechnung wird zur Fiktion.
  • MWST-Fehler: Vorsteuerabzug vergessen, falschen MWST-Satz gewählt oder die Saldosteuersatz-Abrechnung falsch gemacht – das kostet bei der nächsten Kontrolle.
  • Fehlende Abgrenzungen: Vorauszahlungen nicht abgegrenzt, Rückstellungen nicht gebildet – der Gewinn stimmt nicht, die Steuern auch nicht.
  • Zeitverlust: Was ein Profi in einer Stunde erledigt, dauert beim Laien drei bis fünf Stunden. Und diese Zeit fehlt Ihnen im Kerngeschäft.
  • Verpasste Steueroptimierung: Wer nur bucht, aber nicht optimiert, zahlt in der Regel zu viel Steuern.

Rechenbeispiel

Ein KMU-Inhaber verdient CHF 120 pro Stunde im Kerngeschäft. Er verbringt 5 Stunden pro Monat mit der Buchhaltung – das sind CHF 600 «Opportunitätskosten». Dazu kommen verpasste Vorsteuerabzüge (CHF 200/Monat) und fehlende Steueroptimierung (CHF 3’000/Jahr = CHF 250/Monat). Reale Kosten der Eigenregie: ca. CHF 1’050 pro Monat – deutlich mehr als ein Treuhänder kosten würde.

Was ein Treuhänder leistet (und was nicht)

Ein guter Treuhänder ist mehr als ein Buchhalter. Er ist Ihr finanzieller Sparringspartner:

  • Laufende Buchhaltung: Belege verbuchen, Konten abstimmen, Auswertungen erstellen
  • Jahresabschluss: Bilanz und Erfolgsrechnung gemäss OR korrekt aufbereiten
  • Steuererklärung: Korrekt und optimiert – nicht nur ausgefüllt, sondern strategisch geplant
  • MWST-Abrechnung: Fehlerfrei und fristgerecht
  • Beratung: Steuerplanung, Rechtsformoptimierung, Investitionsentscheide
  • Frühwarnsystem: Erkennt Liquiditätsengpässe, bevor sie zum Problem werden

Was ein Treuhänder nicht ist: Ein Wunderheiler für schlechte Geschäftsentscheide. Er kann Ihre Zahlen optimieren, aber nicht Ihr Geschäftsmodell retten.

Der Kostenvergleich: Ehrlich gerechnet

Beispiel: GmbH mit 3 Mitarbeitenden, MWST-pflichtig

Variante A: Komplett selber machen

  • Software (z. B. Bexio): CHF 65/Monat = CHF 780/Jahr
  • Eigene Zeit: 6h/Monat × CHF 100/h = CHF 7’200/Jahr
  • Steuererklärung (extern): CHF 1’500/Jahr
  • Entgangene Steueroptimierung (geschätzt): CHF 2’000–5’000/Jahr
  • Reale Gesamtkosten: CHF 11’500–14’500/Jahr

Variante B: Alles beim Treuhänder

  • Monatspauschale (Buchhaltung + MWST): CHF 500/Monat = CHF 6’000/Jahr
  • Jahresabschluss + Steuererklärung: CHF 2’500/Jahr
  • Lohnbuchhaltung: CHF 1’200/Jahr
  • Gesamtkosten: CHF 9’700/Jahr

Variante C: Hybridmodell

  • Sie erfassen Belege selber (Software: CHF 780/Jahr, 2h/Monat)
  • Treuhänder: Abstimmung, MWST, Jahresabschluss, Steuern: CHF 5’000–7’000/Jahr
  • Eigene Zeit: 2h/Monat × CHF 100/h = CHF 2’400/Jahr
  • Gesamtkosten: CHF 8’200–10’200/Jahr

Entscheidungshilfe: Welches Modell passt zu Ihnen?

Wählen Sie Ihren Weg

Selber machen, wenn:

  • Einzelfirma, kein Personal, wenige Belege
  • Nicht MWST-pflichtig
  • Buchhaltungskenntnisse vorhanden
  • Sie die Zeit und Disziplin haben, monatlich zu buchen

Treuhänder beauftragen, wenn:

  • GmbH/AG mit Mitarbeitenden
  • MWST-pflichtig (vor allem effektive Methode)
  • Mehr als 50–80 Belege pro Monat
  • Steueroptimierung gewünscht
  • Ihre Zeit im Kerngeschäft mehr wert ist

Hybridmodell nutzen, wenn Sie Kosten sparen wollen, aber die Risiken der Eigenregie vermeiden möchten. Sie erfassen die Belege, Ihr Treuhänder kümmert sich um den Rest.

Tipp von MRG Treuhand

Wir bieten bei MRG Treuhand alle drei Modelle an – von der Komplett-Betreuung bis zum reinen Jahresabschluss. In einem kostenlosen Erstgespräch analysieren wir gemeinsam, welches Modell für Ihr KMU am sinnvollsten ist. Oft ist die Kombination «digitale Belegerfassung durch Sie + Abstimmung und Abschluss durch uns» der Sweet Spot.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich als Einzelfirma einen Treuhänder?

Gesetzlich nicht. Aber auch bei einer Einzelfirma lohnt es sich, zumindest die Steuererklärung und den Jahresabschluss professionell erstellen zu lassen. Die laufende Buchhaltung können Sie mit einer Software wie Bexio oder Klara gut selber führen.

Ab wie vielen Belegen lohnt sich ein Treuhänder?

Als Richtwert: Ab ca. 50 Belegen pro Monat lohnt sich ein Treuhänder für die laufende Buchhaltung fast immer. Darunter kann ein Hybridmodell sinnvoller sein – Sie erfassen, der Treuhänder prüft und schliesst ab.

Kann ich mitten im Jahr zum Treuhänder wechseln?

Ja, jederzeit. Der Treuhänder übernimmt Ihre bisherige Buchhaltung und führt sie weiter. Je sauberer Ihre Unterlagen sind, desto einfacher und günstiger ist der Übergang. Idealerweise wechseln Sie zu Quartalsbeginn.


Roger Gloor - Gruender MRG Treuhand

Autor

Roger Gloor

Gründer & Geschäftsführer, MRG Treuhand GmbH

IT-Experte mit Hintergrund in Handwerk, Gastronomie und Finance. Einer der ersten Absolventen des Schweizer Bildungsgangs zum AI Business Specialist (eidg. FA). Begleitet KMU in der Ostschweiz bei Buchhaltung, Steuern und Digitalisierung. Mitglied bei Swiss Accounting.

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